Wenn in Zeiten wie diesen, mit Kriegen, Krisen und schwindendem Wohlstand, die Menschen ängstlich und gestresst sind – sollen wir ihnen da auch noch mit der bedrohten Natur kommen? Kann sich jemand, der nicht weiß, wie er die nächste Stromrechnung bezahlen soll, über den brennenden Regenwald aufregen? Wer braucht noch einen weiteren Blog über Ökologie, Naturschutz, Artensterben, vernichtete Pflanzen, ausgerottete Tiere, Klimawandel und Umweltzerstörung? Aber man kann es auch so sehen: Wenn wir uns um Natur und Umwelt NICHT kümmern, was ändert das an unseren sonstigen Problemen? Nichts ...

Mit meinem Blog für Freunde der Natur und solche, die es noch werden wollen, möchte ich – nein, jetzt kommt nicht die Phrase ‚einen Beitrag leisten zu …‘ Wir alle, ob bewusst oder unbewusst, ob positiv oder negativ, leisten ‚unsere Beiträge‘ jeden Tag, jede Minute, jede Sekunde, jeden Augenblick – wir als Menschen können gar nicht anders, denn wir sind Teil des Problems, so wie wir Teil jenes Ganzen sind, das wir ohne viel darüber nachzudenken für gewöhnlich ‚Natur‘ nennen.  

Wir sind Teil des Problems. Sind wir auch Teil der Lösung? Um diese Probleme, aber auch Lösungen soll und wird es in meinem Blog gehen. Es warten genug Themen in der Pipeline. Für jemanden, der sich auch professionell damit beschäftigt – als Lehrender an der Uni Wien, als Autor, der sich zu Themen der Sozial-, Wirtschafts-, Umwelt- und Ökologiegeschichte äußerte und äußert –, war es nur eine Frage der Zeit, in eine andere Form des Gesprächs einzutreten: ein vielleicht oder hoffentlich weniger abgehobenes.

Ich werde also eine Art lockeres Tagebuch führen, über alles Mögliche (aber hoffentlich nicht über alles und nichts; und auch nicht über Gott und die Welt). Sondern über Dinge, die mir mehr oder weniger sauer aufstoßen. Oder über mehr oder weniger erfreuliche Ausnahmen von der Regel, denn leider sind es Ausnahmen und leider besagt die Regel, dass Homo sapiens egoistisch und egozentrisch, rücksichtslos und dabei auch noch erstaunlich kurzsichtig ist.   

Meine nächsten Selbstgespräche mit Zuhörern stehen bereits fest. Falls die geschätzten Leserinnen, die verehrten Leser dieses Blogs die nötige Neugier aber auch Ausdauer aufbringen, werde ich mir gestatten, mit ihnen gemeinsam nachzudenken über Umweltsünden, Klima- und Wetterkapriolen wie zum Beispiel Hitzewellen, Brände, Wassermangel und Ernteausfälle (und die ganzen bekannten Folgen wie Wirtschaftskrisen, Nahrungsmangel, Hunger, soziale Unruhen, Kriege, Flucht, Migration …). Man wird von Überbevölkerung, Bodenzerstörung, Rodungen, steigendem Jagddruck und Wilderei hören und letzte Meldungen über Artensterben, Degradation, Verwüstung, Zoonosen und Pandemien zur Kenntnis nehmen oder – je nachdem – ignorieren. Und der eine oder die andere wird vielleicht fragen: „Und was ist mit der Kultur?“ Und meine Antwort wird lauten: „Was soll damit sein? Wer die Natur misshandelt, hat auch vor Kulturdenkmälern keinen Respekt!“

Ich lade die werte Leserin, den geschätzten Leser ein, in meinen nächsten Blogs an Überlegungen zum Thema Anthropozän oder, wie manche sagen, Anthropozoikum (ist gleich ‚Zeitalter des Menschen‘) teilzuhaben. Wie steht es um das prekäre Verhältnis von Mensch und Natur – muss man NATUR nicht als das KULTURGUT schlechthin ansehen? Es gibt keine menschenleere ‚Natur‘, keine ‚Natur‘ ohne den Menschen.

Das Jahr 2022 hat uns nicht erlaubt, Business as usual zu machen und die unangenehmen Fragen zu verdrängen – im Gegenteil. Monate lang hat uns das Thema Wald- und Buschbrände beschäftigt, europaweit und weltweit. Und das ist mehr als nur eine Fußnote zum Dauerthema Waldzerstörung. Wozu auch der Skandal gehört, dass in Europa selbst (nein, nicht in Brasilien, nicht in Indonesien – in Europa) illegale Abholzungen großen Stils in Nationalparks und Natura 2000-Gebieten an der Tagesordnung sind. Wir sprechen hier vom ‚rumänischen Skandal‘, aber nicht nur davon. Soviel zum Thema Gutes Gewissen und Heuchelei ...  

Ein anderes heißes Eisen werde ich in einem weiteren Blog anfassen – den Skandal um den Wiener Lainzer Tiergarten. Wer sich schon jetzt dazu schlau machen will, kann sich ja in einem kleinen Aufsatz dazu einen Vorgeschmack holen (siehe Uni-Forum, ‚Aus der Uni-Werkstatt‘: Liedl 2022).

Die sogenannten Ökofundamentalisten werden uns wohl auch immer wieder beschäftigen, mit ihren extremen Ansichten, inklusive Pro und Contra, wie es sich für eine sogenannt ‚ausgewogene Darstellung‘ gehört – Pro und Contra zur, wie sie genannt werden, ‚invasiven‘ Flora und Fauna: was sind Neozoen – ihre Bedeutung in der Ökologiegeschichte, für die Naturgeschichte, ja Menschheitsgeschichte. Natürlich, Tiere in Menschenhand beschäftigen mich schon sehr, sehr lange – aber wen denn nicht?

Und natürlich das Mega-Thema Landwirtschaft – vor- und nachindustriell, von der Bioboden-Genossenschaft bis zu Permakultur, Cityfarms und Urban Gardening …

Anderes Mega-Thema – die Grüne Stadt. Als gebürtiger und in der Wolle gefärbter Wiener (Motto: Right or wrong!) blicke ich um mich. Was macht meine Heimatstadt, was kann, was wird sie machen in puncto Hitze-Strategien, Klima-Masterplan, Energiefrage – was sagen uns die Begriffe Luftschneisen, Stadt- und Raumklima, Grätzelkultur und Prosumer? Oder wie halten wir’s mit Cradle to cradle, der Rohstoff-Kreislaufwirtschaft? Kleines Beispiel, feines Beispiel – die größte Baustoff-Recycling Anlage Österreichs steht derzeit in Wien …

Damit bin ich erstmal am Ende meiner Begrüßung angelangt. Und zu meiner eigenen Überraschung gleich auch noch mit einer der von mir vorhin so genannten ‚Ausnahmen von der Regel‘ konfrontiert. Umso besser. Oder mit den Worten von Christa Kummer, Wetter-Moderatorin im ORF, studierte Theologin mit Doktorat in Geographie und Wirtschaftskunde, die in ihrer Jugend Hochleistungssportlerin war: „Verantwortung übernehmen, heißt auf Veränderungen antworten. Klimakrise und Klimaveränderung fordern uns auf, die eigene Komfortzone zu verlassen, um neue Wege zu suchen und zu finden. Wir können etwas tun. Etwas verändern. Weil wir Menschen sind.“* Als Motto nicht mal so übel. Und Ansporn zu weiteren – jetzt nenne ich das Ding also doch noch beim Namen – ‚Beiträgen‘. Auf baldiges Wiedersehen, auf baldiges Weiterlesen!

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* Quelle: Niederösterreich Magazin 1 / 2022, S. 6